Friedhofsspaziergang
Eine schlaflose Nacht, in der mir viele Textfetzen durch den Kopf flogen, gaben den Anstoß, diese Fetzen am folgenden Tag etwas in Form zu bringen. Das Gedicht beruht auf einem tatsächlichen Erlebnis mit einem vierbeinigen Freund, das mich sehr beeindruckt hatte. (22.03.2007)
Kaum ein Sternlein ziert das Himmelszelt,
des Mondes Licht will heut nicht scheinen.
Will kurz verlassen diese bunte Welt,
mich im Frieden mit den Düften einen.
Noch umströmt mich gelbes künstlich Licht,
warme Luft durchweht mein schwarzes Haar,
das Eingangstor, das verschlossen nicht,
öffne ich, wo ich sonst am Tag nur war.
Wer bist du, hübsches graues Wesen dort,
willst noch nicht recht trauen mir.
Bewachst des Nachts du diesen dunklen Ort?
Fragst dich sicher, was will die denn hier.
Ich hock mich nieder, dich nicht zu schrecken,
sag leis manch sanftes Wort zu dir,
du kommst hervor aus deinen Hecken
und langsam fasst Vertrauen du zu mir.
Endlich hast du deine Scheu verloren,
Schritt für Schritt kommst du mir entgegen.
Ich kraule dich ganz sanft an deinen Ohren
du schnurrst so schön, hast nichts dagegen.
Nun begeb ich mich auf meinen Weg ins Dunkel,
wollt ja nicht hocken auf dem hellen Platze.
Aus dem Tale scheint nur leicht der Stadt Gefunkel
Du folgst mir, mein Friedhofswächter, meine Katze.
Den steinig Pfad hinan führt mich mein Schritt,
das Licht des Platzes lass ich gern zurück.
Ich lausche, ja mein Wächter, er kommt mit,
geb Acht bei jedem Schritt, das ich ihn nicht zerdrück.
Mein Aug muss sich des Lichtes noch entwöhnen,
merk aber, das mein Wächter nicht mehr bei mir ist.
ich schau ihn nicht, kann ihn nicht hören,
warum er nur wohl fortgegangen ist.
Es raschelt plötzlich in der Hecken Dickicht,
da huscht etwas über meinen dunklen Pfad.
Auch auf des Pfades andrer Seite schaue ich es nicht,
es raschelt aus dem Dickicht eines Grabs.
Nur schwach erhellt von geisterhaftem Licht,
erkenn ich schemenhaft der Gräber viele.
Furcht und Angst, die hab ich nicht,
fühl mich sicher und geborgen, ins Unterholz ich schiele.
Wiedermals dringt Rascheln aus den Sträuchern an mein Ohr
ein Wesen vor mir über meinen Weg flink flitzt.
Das kommt mir langsam sehr gespenstisch vor,
doch nie hat ein böses rotes Aug' mich angeblitzt.
Den ganzen Weg in einem fort,
doch nun erkenn ich wer dies Wesen ist,
huscht von dort nach hier, von hier nach dort,
verharrt dazwischen und dabei völlig lautlos ist.
Mein Wächter ist es, der dies seltsam Spiel hier treibt
und in mir kommen Zweifel auf, ist dies wirklich nur ein Tier?
Wer bist du, der du mich auf meinem Weg so seltsam begleit'.
Welch liebe Seel hat ein Heim gefunden in dir?
Nun ists mir nach etwas auszuruhn,
die Atmosphäere mit geschlossnen Augen zu genießen.
Find einen Platz, wo ich kann dies tun,
setzt mich hin und werd die Augen schließen.
Haben bis hier die Zeit gemeinsam verbracht.
Ich genieß die Düfte dieser Stätte, die angenehme Luft,
lausche den zarten Klängen dieser dunklen Nacht,
die Koniferen verströmen einen mystisch Duft.
Wo bist du, meines Wächters Seel, ich um mich schiel,
kein Bild, kein Laut nehm ich von dir wahr.
War dies alles bis hier für dich nur ein Spiel?
Doch nein, du verharrst nur wie schon manches mal.
Weiter führen meine Schritte mich des Wegs,
dein mystisch Spiel beginnt von neuem.
Zusammen sind wir weiter unterwegs,
doch leider müssen unsre Wege sich bald trennen.
Das Licht des Platzes mein Auge blendet,
doch mal muss jeder Weg zu Ende gehn.
Gern hätt ich mich nochmals umgewendet,
was gäb ich drum in deine Seel zu sehn.
Hinab noch einmal hock ich mich, dich zu liebkosen,
hast dein warmes Schnurren mir geschenkt.
Warst für meine Seele wie ein Strauß Rosen.
Werd nie erfahren, welch guter Geist dich hat gelenkt.
Mir war sehr wohl auf diesem Weg mit dir als Wegbegleiter,
fühlt mich sicher und geborgen, Ängste hatt ich nicht.
Sehen wir uns wieder, auf des Lebens Leiter?
Von der Stadt hinauf strömt schwaches Licht...